UG-Novelle

Update 15.02.2021

Unsere Stellungnahmen haben für euch Lockerungen in der vorgesehenen Änderung des Universitätsgesetzes bewirkt, mehr dazu im Standard-Artikel

Dennoch sind wir weiterhin nicht mit der Novelle zufrieden, da sie noch immer stark sozial selektiv wirkt und selbst die nun gemachten Anpassungen das nicht vollständig beheben!

Stellungnahmen der Fachschaften

FET | FS BIZ | FSCH | FSDR | FSMB | FSTPH | FSWINF

Unsere Meinung zur UG-Novelle

Die geplante UG-Novelle verstößt in vielen Punkten unseren Grundsätzen, und wird deshalb in ihrer jetzigen Form von uns abgelehnt.

Besonders kritisch wird von uns die Machtverschiebung vom Senat in die Richtung der Rektorate und am Studienfortschritt hindernde Vorschläge, wie die Reduktion der Prüfungsantritte pro Semester gesehen.

Zu UG §22. (1) Z12a.

Mit der Einrichtung einer Richtlinienkompetenz für das Rektorat, durch welche dieses über den Senat hinweg direkt in die Arbeit der Studienkommissionen (STUKO) eingreifen können soll, setzt man sich über jene Personengruppe hinweg, welche Studienplanänderungen am meisten betrifft. Das Rektorat besteht lediglich aus einer handvoll Personen, welche nicht alle Fachbereiche, aus denen Lehrende kommen, vollständig repräsentieren können. Als Folge dessen weist dieses nicht das Maß an Kompetenz zur Studienplanerstellung auf, vergleicht man es mit der STUKO, welche im Gegensatz zum Rektorat alle Stakeholder beinhaltet.

Zu UG §23b. (1)

Die vorgeschlagene Änderung des Prozesses zur erstmaligen Wiederbestellung des Rektors bzw. der Rektorin lehnen wir vollumfänglich ab. Es ist für uns unverständlich, dass eine Wiederbestellung des zentralen Leitungsgremiums einer Universität möglich ist, ohne dass eine einzige universitätsangehörige Person in diese Entscheidung signifikant eingebunden ist. Kombiniert mit der Änderung der Kriterien zur Bestellung von Personen in den Universitätsrat befürchten wir einen signifikanten Eingriff in die Autonomie der Universität. Eine respektvolle Zusammenarbeit zwischen Senat und Rektorat auf Augenhöhe ist ein Grundbaustein einer funktionierenden Universität. Durch diese vorgeschlagene Änderung würde man das potenzielle Fehlen dieses Bausteins auf bis zu acht Jahre verlängern und einer autonomen Universität die Möglichkeit nehmen, diese essenzielle Zusammenarbeit regelmäßig zu evaluieren. Ein positiver Aspekt dieser Änderung erschließt sich uns nicht und wir empfehlen diese Änderung ersatzlos zu streichen.

Zu UG §59a.

Die Universität ist ein Ort der Freiheit der Lehre, der Wissenschaft und des Lernens. Diese Freiheit dient dazu, die großen Herausforderungen der Gesellschaft möglichst frei von Restriktionen zu diskutieren und Lösungsansätze für diese zu erarbeiten. Hiermit einher geht auch der Auftrag der Bildung der Gesellschaft. Wenn sich Menschen entscheiden ihr Studium z.B. berufsbegleitend, zu finanzieren, dann sollen sie auch alle Freiheit haben ihr Studium aufgrund der geringeren zur Verfügung stehenden Lernzeit auf eine längere Dauer zu strecken. Sie zahlen nicht nur parallel Lohnsteuern und finanzieren dadurch das Universitätswesen mit, sondern beziehen auch keine Beihilfen. Zusätzlich müssen sie ab einer gewissen Studiendauer auch noch Studienbeiträge zahlen. Wir empfehlen diese Änderung ersatzlos zu streichen.

Zu UG §59b. (4)

Wir kritisieren die Möglichkeit zu Learning Agreements, da diese als privatrechtliche Verträge in öffentliches Recht eingegliedert werden sollen, zwei rechtliche Bereiche, die aus gutem Grund getrennt sind und nicht vermischt werden sollten. Diese Verträge erhöhen den psychischen Druck auf Studierende und diskriminieren jene, die diese Verträge nicht abschließen wollen. Außerdem können jederzeit unvorhergesehene Lebensereignisse stattfinden, die zu ungerechtfertigten Sanktionen für diese Studierenden führen können. Alternativer Vorschlag: Streichen der entsprechenden Passagen

Zu UG § 61/62

Wir plädieren dafür, bei der alten Version des § 61 (1) und (2) zu bleiben. Der im Entwurf geplante Entfall der Nachfrist und überhaupt die Streichung flexibler Möglichkeiten, die Fristen an die Bedürfnisse der jeweiligen Universität anzupassen, wird von mir als eine Verschlechterung gesehen. Begrüßt wird der neue Vorschlag Absatz 2, Ziffer 3: „nicht rechtzeitige Ausstellung einer Aufenthaltsberechtigung für Studierende ... sofern diese daran kein Verschulden trifft.“

Zu UG § 67

Wir kritisieren die Änderung in Absatz 1, da wir es als wichtig erachten, dass Universitäten in ihren Satzungen, je nach Ausrichtung der Universität, weitere Beurlaubungsgründe in der jeweiligen Satzung festgelegt werden können. Problematisch finden wir auch das Verbot der Beurlaubung in ersten Semester, da dies insbesondere bei Studiengängen mit nur einmal jährlich stattfindenden Aufnahmeverfahren zu Verzögerungen für die Studierenden, die einen Zivil- oder Präsenzdienst leisten oder ein unvorhergesehenes Lebensereignis erfahren, führt. Als positiv erachten wir die in (2) Z3 festgelegte Klarstellung, dass bereits erbrachte Studienleistungen gültig bleiben. Alternativer Vorschlag: Beibehalten der entsprechenden Passagen in (1); Streichung der entsprechenden Passagen in (2) Z1;

Zu UG § 76 (3)

Im Kontext des Wunsches nach einer höheren Prüfungsaktivität erscheint eine Reduktion der Mindestanzahl an Prüfungsterminen nach §76 Abs. 3 nicht schlüssig. Ganz im Gegenteil erfordert ein schneller Studienabschluss auch eine hohe Anzahl an Prüfungsmöglichkeiten, um das Erlangen von ECTS-Punkten flexibler und effizienter zu gestalten. Die Flexibilität der Studierenden würde aufgrund weniger Prüfungstermine ganz allgemein leiden, da das Zeitmanagement und die Koordination der Lehrveranstaltungen untereinander komplexer werden, weil es zu viel mehr Überschneidungen von Prüfungsterminen und den damit verbundenen Lernzeiten kommen würde. Besonders sind auch jene Studierenden anzuführen, die aufgrund von Erwerbstätigkeit oder anderen zusätzlichen Verpflichtungen auf diese Flexibilität angewiesen sind. Die Reduktion der Prüfungstermine könnte auch eine “Prüfungswoche” zur Folge haben, wenn die zwei verpflichtenden Termine in einem kurzen Zeitintervall abgehalten werden. Dies würde zu einem enormen Leistungsdruck führen, da die Leistungserbringung auf gewisse Zeiträume im Semester konzentriert wird. Wir lehnen sogenannte “Prüfungswochen” ab und sehe die Reduktion der Prüfungstermine sehr kritisch.

Zu UG § 78 (1)

Die neu vorgeschlagene Möglichkeit der Anerkennung von anderen Studienleistungen, Tätigkeiten und Qualifikationen ist sehr zu begrüßen. Wir geben zu Abs. 5 Zi 6 zu bedenken, dass die Zahl von möglichen 90 ECTS-Anrechnungspunkten sehr hoch ist.